Das müssen Sie über Heidenheim wissen

Opernfestspiele, Heideköpfe, doppeltes Pokalglück: Die NWZ verrät wissenswerte Eckdaten und Anekdoten über den 1. FC Heidenheim. Der Zweitligist aus dem Süden trifft am Sonntag auf Jeddeloh.

Oldenburg Jeddeloh – das ist ja (fast) jedem ein Begriff. Aber was ist Heidenheim? Wo liegt das? Wer kommt da her? Was ist das Besondere an der Stadt? Und was muss man von den Zweitliga-Fußballern des 1. FC Heidenheim erwarten, die an diesem Sonntag im Marschwegstadion in Oldenburg gegen den Regionalligisten SSV Jeddeloh antreten?

Wo liegt Heidenheim?
Heidenheim an der Brenz, wie die Stadt mit vollem Namen heißt, liegt in Baden-Württemberg an der bayerischen Grenze, etwa 33 Kilometer nördlich von Ulm. Die Stadt ist eine Kreisstadt und riesig – zumindest im Vergleich zu Jeddeloh. Sie hat etwa 48 000 Einwohner und drei Postleitzahlen. Jeddeloh II – wie der Ortsteil, aus dem der SSV kommt, eigentlich heißt – hat dagegen gerade mal 1300 Einwohner und teilt sich eine Postleitzahl mit der gesamten Gemeinde Edewecht (etwa 22 000 Einwohner).

Im Vereinswappen der Jeddeloher steht deshalb auch „SSV Jeddeloh II“ – es handelt sich beim Regionalliga-Team aber um die erste Mannschaft. Während Jeddeloh II am 70 Kilometer langen Küstenkanal liegt und seine Fußballer deshalb auch als die Kicker vom Kanal bekannt sind, hat Heidenheim keinen Kanal – sondern eben die Brenz. Der Fluss ist nur 52 Kilometer lang. Dafür sind die Kicker von der Brenz nicht nur in der Liga deutlich höher beheimatet als die aus dem Ammerland: Heidenheim liegt auf 478 bis 645 Metern Höhe über NN. Edewecht liegt gerade einmal zehn Meter hoch.

Wofür ist Heidenheim bekannt?
Das bekannteste Bauwerk ist das Schloss Hellenstein, in dem jährlich die berühmten Opernfestspiele Heidenheim stattfinden. Sportliche Höhepunkte sind unter anderem die Fechtertage (der Heidenheimer Pokal gilt als das schwerste Degen-Einzelturnier der Welt) sowie das internationale Schwimmfest, das der gebürtige Heidenheimer und nun in Oldenburg lebende Carsten Niederberger mehrfach gewann. Der 38-jährige frühere moderne Fünfkämpfer und heutige Triathlet lobt neben der Aquarena („eines der schönsten Schwimmbäder Deutschlands“) auch die „extrem schöne Lage“ Heidenheims auf der schwäbischen Alb sowie die gute Unterstützung der Vereinsstruktur durch die Stadt, die er in Oldenburg etwas vermisst. Das Spiel am Sonntag würde er sich – obwohl er kein großer Fußball-Fan ist – gerne anschauen. „Leider habe ich keine Zeit“, bedauert Niederberger.

Wie gut sind die Fußballer?
Seit der Saison 2014/15 spielt der 1. FC Heidenheim in der zweiten Bundesliga und wurde vor zwei Jahren Sechster, in der vergangenen Saison belegte der Club aber nur den 13. Platz. In der vierten Liga waren sie zuletzt 2008/09, als sie Meister der Regionalliga Süd wurden und in die 3. Liga aufstiegen. Zum Vergleich: In der gleichen Saison schaffte Jeddeloh den Aufstieg von der Bezirksliga in die Bezirksoberliga – also die siebte Liga. Es gelang direkt der Durchmarsch in die Landesliga, zwei Jahre später in die Oberliga und erst 2017 in die vierte, also die Regionalliga.

Während Fußball in und um Jeddelohs 53acht-Arena die absolute Nummer eins ist, spielen die Kicker in Heidenheim rangmäßig nur die zweite Geige. In der Stadt an der Brenz ist nämlich der deutsche Baseball-Meister beheimatet – die Heidenheim Heideköpfe aus dem New Heideköpfe Ballpark.

Wer sind die Stars?
Der wohl bekannteste Spieler des 1. FC Heidenheim ist Linksaußen Marc Schnatterer, der seit zehn Jahren bei dem Club spielt und in 303 Spielen 91 Tore erzielte. Seine wohl beste Saison hatte er 2011/12, als er nicht nur vom Fachmagazin „Kicker“ zum besten Spieler der 3. Liga gekürt wurde, sondern mit seinem Tor zum 2:1 den Bundesligisten Werder Bremen in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal schoss. Schnatterer kennt also die eigenen Gesetze des Pokals sehr gut – dazu später mehr.

Den höchsten Marktwert hat laut „transfermarkt.de“ Mittelfeldspieler Sebastian Griesbeck (1,25 Millionen Euro), der demnach im Duo mit Schnatterer (1 Mio. Euro) mehr wert ist als der gesamte Jeddeloher Kader (1,6 Mio. Euro). Jeddelohs wertvollste Kicker sind Kapitän Kevin Samide und Thorsten Tönnies (jeweils 125 000 Euro).

Ein weiterer Star im Team der Heidenheimer ist Trainer Frank Schmidt. Der 44-Jährige ist seit zehn Jahren Coach des 1. FC und hat davor 122 Spiele für den Club bestritten, der bis zum Jahr 2007 noch Heidenheimer SB hieß. Als Spieler war er auch für Waldhof Mannheim und Alemannia Aachen aktiv – und auch für den TSV Vestenbergsgreuth.

Und hier sind wir wieder bei den Pokalgesetzen: Mit dem damaligen Regionalliga-Aufsteiger (damals 3. Liga) gewann Schmidt 1994 in der ersten Runde des DFB-Pokals (!) gegen den deutlich höherklassigen (!) FC Bayern – und das nicht im eigenen Stadion, sondern im Nürnberger Frankenstadion, in das man das Spiel verlegt hatte (!). SSV-Coach Key Riebau – mit 28 Jahren jüngster Trainer aller DFB-Pokalteilnehmer – war da übrigens gerade einmal vier Jahre alt.

Heidenheims Coach weiß also ganz genau, dass auch der letztjährige Regionalliga-Aufsteiger Jeddeloh im ins größere Oldenburger Marschwegstadion verlegten Pokalspiel gegen den höherklassigen 1. FC Heidenheim absolut nicht chancenlos ist.

Quelle: https://www.nwzonline.de/fussball/dfb-pokal/oldenburg-gegner-von-jeddeloh-im-dfb-pokal-das-muessen-sie-ueber-heidenheim-wissen_a_50,2,971538415.html