Dorf will mehr als die Regionalliga rocken

Ein Dorf rockt die Regionalliga dieses Motto haben sich die Fans des SSV Jeddeloh auf die Fahnen geschrieben. Doch wie lange hat ihr Kampfspruch noch Gültigkeit? Die Ammerländer Fußballer aus dem 1300-Einwohner-Ortsteil Jeddeloh II, der genauso wie Jeddeloh I zur Gemeinde Edewecht gehört, rocken die Regionalliga nicht nur, in dieser Saison dominieren sie die fünfthöchste Spielklasse sogar.

Vor dem ersten Spieltag im Jahr 2017 haben die Jeddeloher auf den ärgsten Verfolger aus Northeim bereits sieben Punkte Vorsprung angesammelt. Setzt sich der SSV zum Auftakt am Samstag, 25. Februar, auf eigenem Platz gegen Eintracht Northeim durch, wächst dieser Vorsprung sogar noch weiter.

Auch Dinge abseits des Platzes werfen den Klassenprimus nicht aus der Spur. Der 1:0-Heimsieg des SSV gegen Arminia Hannover im November hatte einen bitteren Nachgeschmack erhalten, der nun in einer Schmerzensgeld-Klage beim Amtsgericht Oldenburg endet. Gästespieler Mohamad Saade war bei einer Grätsche unter die Werbebande gerauscht und hatte sich so schwer verletzt, dass er sogar in Lebensgefahr schwebte. Bei der Durchtrennung der Sehnen waren Stoffe freigesetzt worden, die das Blut stark verunreinigt hatten.

Der SSV bedauert den Vorfall zutiefst und schickte Saade nach dem Spiel beste Genesungswünsche. Juristisch sieht sich der Verein aber auf der sicheren Seite. „Nur bei grob fahrlässiger Handlung kann ein Sportverein, der über den Landessportbund versichert ist, in Regress genommen werden. Davon gehen wir in unserem Fall aber nicht aus“, erklärt SSV-Teammanager Gerhard Meyer. Mittlerweile hat der SSV reagiert und 400 Meter Kantenschutz an der Bande angebracht.

Sportlich läuft es für die Ammerländer aber bestens. Mit 44 von möglichen 52 Punkten haben die Jeddeloher bereits jetzt schon fast die 50-Punkte-Marke aus der Vorsaison geknackt. „Wir haben dafür gesorgt, dass der Verein im Hinblick auf das Thema Aufstieg über den Winter ordentlich ins Schwitzen gekommen war“, scherzt SSV-Trainer Thomas Schuhknecht.

Da kommt Meyer als SSV-Vorstandsmitglied ins Spiel. „Planungen für Ober- und Regionalliga sind große Herausforderungen. Es ist viel zu tun, aber grundsätzlich alles möglich“, gibt er sich gelassen. Bis zum 31. März müssen die Lizenzunterlagen für die Regionalliga beim Niedersächsischen Fußballverband und für die Regionalliga beim Norddeutschen Fußballverband eingereicht werden. Zu diesem Zeitpunkt würden nur noch sechs Ligaspiele ausstehen.

Wenn es nach den Verantwortlichen ginge, soll nach fünf Jahren Regionalliga der nächste Schritt gemacht werden. Auch für die 70 Sponsoren, darunter ein bekannter Ammerländer Wursthersteller, würde der Aufstieg einen Schub bedeuten. Auch der Etat, der schätzungsweise bei 250000 Euro liegt, müsste bei einem Aufstieg um mindestens ein Drittel aufgestockt werden.

Das Umfeld soll jedoch Schritt für Schritt mitwachsen, betont Meyer. Von VIP-Logen in der Jeddeloher 53-Acht-Arena hält Meyer nichts: „Bei uns ist vieles noch anders. Dass Fans im Mannschaftsbus zu Auswärtsspielen mitfahren oder nach den Partien mit den Spielern noch eine Bockwurst am Stand essen, ist bei uns nichts Besonderes. Dieses Gefühl wollen wir aufrechterhalten.“

Auch für viele der Spieler würde sich nicht viel ändern. Gleich fünf Akteure aus dem Jeddeloher Kader trugen in der vergangenen Saison noch das Trikot des VfB Oldenburg und spielten in der Regionalliga. Für Meyer ist der große VfB-Block kein Problem: „Wir setzen auf Spieler aus der Region und haben mit Keven Oltmer und Mario Fredehorst auch echte Ammerländer in unseren Reihen.“

Derzeit repräsentiert der SV Eichede noch den kleinsten Ort in der Regionalliga. Steigt der momentane Tabellenletzte ab, könnten die Jeddeloher diesen Platz einnehmen. Bis dahin werden sich die Fans der Kicker vom Kanal sicherlich einen neuen Fangesang ausgedacht haben. Die Regionalliga ist dann Geschichte.

 

Quelle: FuPa